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Selbststeuerung unter Segeln

Auf  Kurs West in Richtung Karibik läuft man in der Regel die Kanaren an und macht einen Einkaufsstopp in Santa Cruz de Tenerife oder Las Palmas, um auf der Atlantiküberquerung nicht zu verhundern oder zu verdursten. Doch kommen dort auf den Stegen vor den Yachten, gerade im Herbst wenn die Flotte der Transatlantiksegler durchreist, häufiger auffällig große Pakete per UPS an, etwa 2m lange Kartons, aber recht schmal.  Bestimmt keine Weinlieferung, und auch keine verpackten Bananenstauden. Absender aus Hamburg. Was ist da wohl drin?

 

Heute gibt es kaum noch Segelyachten auf Großer Fahrt, die keinen elektrischen Autopiloten eingebaut haben. Und es gibt erstaunlich viele Segler, die recht blauäugig den Parolen der Ausrüstungsindustrie vertrauen. "Unser Autopilot ist absolut zuverlässig, braucht wenig elektrische Energie und ist extrem verschleißarm". Komisch nur, dass beim Hafenschnack auf den Stegen der Inselhäfen im Atlantik immer wieder von defekter Steuerelektronik oder leeren Batterien die Rede ist. Von Kiel bis Brest hat der elektrische Steuersklave bestens funktioniert, aber schon in der Biskaya gab es auf manch einem Schiff Strommangel. Und spätestens auf Martinique angekommen, berichtet der eine oder andere von durchrutschenden Zahnrädern in der Antriebseinheit seines stromfressenden Helfers. 

 

Auf diesem Erfahrungshintergrund lässt sich leicht erraten, was sich wohl in den ominösen langen Paketen auf den Stegen in La Coruna, Las Palmas oder Mindelo  verbirgt. Natürlich: Es sind Wind-Selbststeuerungsanlagen. Im Ärmelkanal war noch alles gut, aber nicht wenige Segler bemerken - meist zum Glück noch bevor sie zur 2300 Meilen langen Blauwasseretappe über den Atlantik ablegen - dass der elektrische Steuergehilfe auf langer Strecke einfach oft überfordert ist. Und selbst wenn er mechanisch und elektrisch einwandfrei funktioniert (was weiß Gott nicht selbstverständlich ist), so ist doch meist sein Stromverbrauch so hoch, dass ein erheblicher und kostspieliger Aufwand an komplizierter Ladetechnik notwendig wird, um den Heißhunger auf Ampere zu stillen. Auf größeren Yachten ab 13-14 m Länge aufwärts mag dank eines Generators die Stromversorgung kein Problem sein (Ökologie?), aber auf kleineren Yachten ist die Anschaffung von Windmühle, Solarpanels, zweiter Lichtmaschine, und/oder Schleppgenerator fast unumgänglich. Und das bedeutet neben den erheblichen Mehrkosten auch ein zusätzliches Risiko an elektrischen und elektronischen Pannen.

 

"Was ich nicht an Bord habe, kann auch nicht kaputtgehen" !

 

Ob Ihr es mir glaubt, oder nicht, ich hatte auf meinen drei Reisen mit GWENAVEL zwischen der Bretagne und Cuba keinen Windgenerator, keinen Schleppgenerator, keine zweite Lichtmaschine, nur zwei große Solarpanels an der Seereling, insbesondere für den - gut isolierten! - Kühlschrank. Denn der gut gekühlte Sancerre ist zur selbstgefangenen Goldmakrele einfach unersetzlich.

 

Doch das Entscheidende...

am Heck war eine PACIFIC von Peter Förthmann aus Hamburg

 

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